Grundlagen

Sharpe Ratio erklärt: Was die Kennzahl aussagt — und was nicht

Überrendite je Einheit Schwankung — mehr sagt die Zahl nicht, und weniger auch nicht.

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026 · Von The Acutic Research Team

Die Sharpe Ratio misst risikoadjustierte Rendite: die Überrendite gegenüber dem risikofreien Zins, geteilt durch die Standardabweichung der Überrenditen — SR = (Rp − Rf) / σ (W. F. Sharpe, 1966; revidiert 1994). Sie beantwortet genau eine Frage: Wie viel Überrendite kam je Einheit Schwankung heraus? Was sie nicht beantwortet: ob dieses Verhältnis zu einer bestimmten Situation passt.

Die Formel, an Beispielen gerechnet

Risikofreier Zins in allen Beispielen: 2 %. Jede Kennzahl der Tabelle wird beim Seitenaufbau aus der Formel berechnet:

BeispielRendite p. a.Volatilität p. a.Sharpe Ratio
A8 %10 %0,60
B12 %20 %0,50
C4 %2 %1,00

Lesart: C liefert im Beispiel die meiste Überrendite je Einheit Volatilität (1,00), obwohl B die höchste absolute Rendite hat. Welches Rendite-Schwankungs-Verhältnis zu welchem Zweck passt, sagt die Kennzahl nicht — sie beschreibt nur das Verhältnis.

Was sie vergleichen kann — und was nicht

  • Vergleichbar: Reihen über denselben Zeitraum, mit derselben Datenfrequenz, derselben Währung und derselben risikofreien Basis.
  • Nicht vergleichbar: verschiedene Zeitfenster oder Marktphasen (das Zinsniveau steckt in der Formel), Monats- gegen Tagesdaten, und Strategien mit stark asymmetrischem Renditeprofil — etwa Optionsstrategien, deren seltene, große Verluste in der Standardabweichung kaum sichtbar werden, bis sie eintreten.

Bekannte Grenzen

  • Aufwärtsvolatilität zählt als Risiko: Die Standardabweichung bestraft Ausschläge nach oben genauso wie nach unten; die Sortino Ratio nutzt deshalb nur die Abwärtsabweichung.
  • Fensterabhängigkeit: Drei- und Fünfjahreswerte derselben Strategie können weit auseinanderliegen; ein einzelner Wert ohne Zeitraumsangabe ist nicht interpretierbar.
  • Geglättete Reihen schmeicheln: Autokorrelation — typisch bei illiquiden Anlagen — senkt die gemessene Volatilität und hebt die Kennzahl, ohne dass das Risiko kleiner wäre. Die √12-Annualisierung setzt unabhängige Renditen voraus.
  • Negative Werte ordnen falsch: Bei gleicher Unterrendite erscheint die schwankungsreichere Variante weniger negativ — die Tabelle zeigt es (D und E, beide 0 % Rendite):
BeispielRendite p. a.Volatilität p. a.Sharpe Ratio
D0 %5 %-0,40
E0 %20 %-0,10

Häufige Fragen

Was gilt als „gute" Sharpe Ratio?

Eine kontextfreie Schwelle gibt es nicht. Der Wert hängt vom Zeitraum, von der Anlageklasse und vom Zinsniveau ab — dieselbe Strategie kann in einem Jahrzehnt 0,3 und im nächsten 0,9 erreichen. Aussagekräftig ist die Kennzahl nur relativ: gleiche Periode, gleiche Datenfrequenz, gleiche risikofreie Basis.

Warum verzerren monatliche Daten die annualisierte Sharpe Ratio?

Die übliche Annualisierung multipliziert die monatliche Kennzahl mit √12 und setzt dabei unabhängige, identisch verteilte Renditen voraus. Geglättete oder autokorrelierte Reihen — etwa bei illiquiden Anlagen — unterschätzen die wahre Schwankung, und die annualisierte Kennzahl fällt zu hoch aus.

Was sagt eine negative Sharpe Ratio aus?

Nur, dass die Rendite unter dem risikofreien Zins lag. Eine Rangfolge negativer Werte ist irreführend: bei gleicher Unterrendite erscheint die Variante mit höherer Volatilität weniger negativ — die Kennzahl ordnet dann entgegen der Intuition.

Worin unterscheidet sich die Sortino Ratio?

Die Sortino Ratio teilt die Überrendite nur durch die Abwärts-Standardabweichung. Sie behandelt Aufwärtsschwankungen damit nicht als Risiko — die Sharpe Ratio bestraft beide Richtungen gleich. Beide Kennzahlen beschreiben Vergangenheitsdaten, keine Zukunft.

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