Rendite & Kennzahlen

TWROR vs. IRR: warum dein Tracker eine andere Rendite zeigt

Zwei Tracker, zwei Renditen fürs selbe Depot — beide richtig. Der Unterschied, an einem durchgerechneten Rechenbeispiel: TWROR misst die Strategie, IRR dein Timing.

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026 · Von The Acutic Research Team

Zwei Tracker, dasselbe Depot, zwei verschiedene Renditen — und beide Zahlen sind richtig. Der Grund ist keine Rechenpanne, sondern eine Definitionsfrage: Die zeitgewichtete Rendite (TWROR) misst, wie gut die Strategie war; der interne Zinsfuß (IRR, geldgewichtet) misst, wie gut die eigenen Einzahlungen getimt waren. Dieser Beitrag rechnet beide Kennzahlen an einem einfachen Beispiel Schritt für Schritt durch — mit klaren, erfundenen Zahlen, nicht als Prognose — und zeigt, warum sie für dasselbe Depot auseinanderlaufen können.

Warum zwei Tracker zwei Renditen zeigen

Der typische Moment: Dieselbe CSV-Datei landet in zwei Auswertungen, und die eine meldet +8,4 %, die andere +5,1 %. Kein Tippfehler, kein Bug — die beiden Werkzeuge beantworten schlicht zwei verschiedene Fragen. Das eine rechnet zeitgewichtet, das andere geldgewichtet, und viele Oberflächen benennen die verwendete Methode nicht. Sobald in einem Depot mehr als eine einzige Einzahlung passiert ist — also praktisch immer —, driften die beiden Zahlen auseinander. Beide sind korrekt. Sie messen nur nicht dasselbe.

TWROR: die zeitgewichtete Rendite — sie misst die Strategie

Die zeitgewichtete Rendite (Time-Weighted Rate of Return, TWROR) will genau eine Sache wissen: Wie gut war die Anlage selbst, unabhängig davon, wann jemand Geld nachgeschoben oder entnommen hat? Dafür zerschneidet sie den Zeitstrahl an jeder Ein- und Auszahlung in Teilperioden, berechnet für jede Teilperiode die Rendite und verkettet sie:

TWROR = (1 + r₁) × (1 + r₂) × … × (1 + rₙ) − 1

Weil jede Zahlung eine frische Teilperiode beginnt, fallen Höhe und Zeitpunkt der Zahlungen vollständig heraus — sie beeinflussen die TWROR nicht. Übrig bleibt der reine Kursverlauf. Die TWROR beantwortet die Frage: „Wie hat sich ein Euro entwickelt, der die ganze Zeit investiert war?“ Genau das ist die faire Grundlage, um eine Anlage mit einem Index oder einer anderen Strategie zu vergleichen. In der Fonds- und Vermögensverwaltung ist die zeitgewichtete Rendite deshalb der Standard für Performance-Vergleiche: Ein Manager steuert nicht, wann seine Kunden einzahlen, also darf dieses Timing seine ausgewiesene Leistung weder schönen noch trüben.

IRR: der interne Zinsfuß — er misst dein Timing

Der interne Zinsfuß (Internal Rate of Return, IRR — auch geldgewichtete Rendite oder Money-Weighted Rate of Return) dreht die Frage um. Ihn interessiert nicht die Strategie im Reinzustand, sondern das konkrete Ergebnis der eigenen Zahlungen. Er ist der einzige Zinssatz r, bei dem der Barwert aller Zahlungen null ergibt — Einzahlungen zählen negativ, der heutige Depotwert als positive Schlusszahlung:

Σ CFₜ ÷ (1 + r)^t = 0

Anders als bei der TWROR zählt hier jeder Euro nach der Zeit, die er tatsächlich im Depot gearbeitet hat. Eine große Einzahlung kurz vor einem guten Abschnitt zieht die IRR nach oben; eine große Einzahlung kurz vor einem Rückgang zieht sie nach unten. Die IRR beantwortet die Frage: „Was haben meine Euros — so wie ich sie eingezahlt habe — am Ende verzinst?“ Das ist die ehrliche Zahl für die eigene Vermögensentwicklung, aber eine unfaire Zahl für den Vergleich mit einer Benchmark, weil das eigene Einzahlungs-Timing mit drinsteckt.

Das Rechenbeispiel: derselbe Kursverlauf, zwei Einzahlungszeitpunkte

Jetzt beide Kennzahlen nebeneinander, an einem bewusst einfachen Kursverlauf. Ein Fonds gewinnt im ersten Jahr 25 % und verliert im zweiten Jahr 20 %. Über beide Jahre steht er damit exakt dort, wo er startete, denn 1,25 × 0,80 = 1,00 — die Strategie hat unterm Strich nichts erwirtschaftet. Zwei Anleger begleiten diesen Verlauf. Beide zahlen insgesamt 20.000 € ein (10.000 € zum Start und noch einmal 10.000 €), aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten:

  • Anleger A zahlt beide 10.000 € gleich zu Beginn ein — das ganze Kapital liegt vor dem guten Jahr im Depot.
  • Anleger B zahlt die ersten 10.000 € zu Beginn ein und die zweiten 10.000 € erst nach dem ersten Jahr — also am Hoch, direkt vor dem schwachen Jahr.
Rechenbeispiel: derselbe Kursverlauf, zwei Einzahlungszeitpunkte, gleiche TWROR aber unterschiedliche IRRZwei Panels zeigen denselben Kursverlauf: ein Anstieg um 25 Prozent im ersten Jahr, ein Rückgang um 20 Prozent im zweiten Jahr, über beide Jahre also unverändert. Im linken Panel wird früh eingezahlt, vor dem Anstieg; im rechten Panel spät, am Hoch nach dem Anstieg. Die zeitgewichtete Rendite TWROR beträgt in beiden Fällen 0 Prozent, weil der Kursverlauf gleich ist. Der interne Zinsfuß IRR beträgt links 0 Prozent und rechts minus 6,82 Prozent pro Jahr, weil im rechten Fall frisches Geld genau vor den Kursrückgang floss. Alle Werte sind ein Rechenbeispiel, keine Prognose.Derselbe Kursverlauf, zwei EinzahlungszeitpunkteRECHENBEISPIELFrüh eingezahltEinzahlung vor dem Anstieg+10.000 €StartJahr 1Jahr 2TWRORzeitgewichtet0 %IRRgeldgewichtet0 %Spät eingezahltEinzahlung nach dem Anstieg (am Hoch)+10.000 €StartJahr 1Jahr 2TWRORzeitgewichtet0 %IRRgeldgewichtet−6,82 %Gleicher Kursverlauf, gleiche TWROR (0 %) — die IRR trennt sich, weil rechts frisches Geldgenau vor den Kursrückgang floss und so stärker dem schwachen Jahr ausgesetzt war.TWROR = Produkt der Teilperioden-Renditen − 1; IRR = Zinssatz r mit Σ Zahlung ÷ (1+r)^t = 0. Rechenbeispiel, keine Prognose.
Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen — keine echten Marktdaten, keine Prognose. Kursverlauf je investiertem Euro: Jahr 1 +25 %, Jahr 2 −20 % (über beide Jahre 1,25 × 0,80 = 1,00, also 0 %). Beide Anleger zahlen insgesamt 20.000 € ein (10.000 € Start + 10.000 € später). Links liegt alles von Anfang an im Depot, rechts kommt die zweite Einzahlung erst am Hoch nach Jahr 1. Jede Zahl ist aus diesen Angaben berechnet: die IRR rechts löst 5x² + 5x − 9 = 0 mit x = 1 + r ≈ 0,9318, also r ≈ −6,82 % pro Jahr.

Anleger A — früh eingezahlt

  • Depotwert: 20.000 € liegen vom Start an im Depot. Nach Jahr 1 (+25 %): 25.000 €. Nach Jahr 2 (−20 %): 25.000 € × 0,80 = 20.000 €. Ende gleich Anfang.
  • TWROR: zwei Teilperioden mit +25 % und −20 % → 1,25 × 0,80 − 1 = 0 %.
  • IRR: nur ein Einzahlungszeitpunkt (20.000 € am Start), Endwert 20.000 €. Damit gilt (1 + r)² = 20.000 ÷ 20.000 = 1, also r = 0 %. Weil zwischendurch kein Geld bewegt wurde, fallen TWROR und IRR hier zusammen.

Anleger B — spät eingezahlt (am Hoch)

  • Depotwert: 10.000 € zum Start, nach Jahr 1 (+25 %) also 12.500 €. Jetzt kommt die zweite Einzahlung von 10.000 € dazu → 22.500 €. Nach Jahr 2 (−20 %): 22.500 € × 0,80 = 18.000 €. Auf 20.000 € eingezahltes Kapital ein Verlust von 2.000 €.
  • TWROR: dieselben Teilperioden wie bei A — die erste 10.000-€-Tranche macht +25 % (10.000 → 12.500), das gesamte Kapital danach −20 % (22.500 → 18.000). Die Einzahlung am Periodenrand wird herausgerechnet, also 1,25 × 0,80 − 1 = 0 %. Identisch mit A, weil der Kursverlauf identisch ist.
  • IRR: die Zahlungen sind −10.000 € (Start), −10.000 € (nach Jahr 1) und +18.000 € (Ende). Gesucht ist r mit −10.000 − 10.000 ÷ (1+r) + 18.000 ÷ (1+r)² = 0. Mit x = 1 + r wird daraus die quadratische Gleichung 5x² + 5x − 9 = 0; ihre Lösung x = (−5 + √205) ÷ 10 ≈ 0,9318 ergibt r ≈ −6,82 % pro Jahr. Wer x wieder einsetzt, erhält null — die Rechnung ist Schritt für Schritt nachvollziehbar.

Das ist der ganze Effekt in zwei Zahlen: Beide Anleger begleiten dieselbe Strategie mit einer TWROR von 0 % — die Anlage selbst war weder gut noch schlecht, sie stand am Ende still. Aber Anleger B hat sein frisches Geld genau vor das schwache Jahr gelegt; seine persönliche, geldgewichtete Rendite ist deshalb −6,82 %. Die TWROR kann diesen Unterschied gar nicht sehen — sie blendet das Timing bewusst aus. Die IRR sieht ihn, weil sie ihn messen soll.

Welche Zahl ist wofür?

Beide Kennzahlen sind richtig — die Kunst ist, die passende Frage dazu zu stellen. Grob:

  • Vergleich mit einer Benchmark oder einer anderen Strategie → TWROR. Weil sie die Einzahlungszeitpunkte herausrechnet, steht sie auf derselben Grundlage wie ein Index, der keine Einzahlungen kennt. Wer wissen will, ob das eigene Vorgehen einen breiten Marktindex ein- oder überholt hat, vergleicht zeitgewichtet — sonst mischt sich das eigene Spar-Timing in die Wertung.
  • Eigene Vermögensentwicklung → IRR. Wer wissen will, was das eingesetzte Geld tatsächlich verzinst hat — Timing und alles inklusive —, schaut auf den internen Zinsfuß. Er ist die ehrliche Antwort auf „Was ist bei mir herausgekommen?“.

Das ist eine rein beschreibende Einordnung, keine Handlungsanleitung: Keine der beiden Zahlen ist „die bessere“, sie beantworten verschiedene Fragen. Wie man einen sauberen Benchmark-Vergleich überhaupt aufsetzt, beschreibt der Beitrag How to benchmark your portfolio (englisch); wie man ein Depot konkret gegen den MSCI World stellt, zeigt Depot mit dem MSCI World vergleichen.

Was Tracker anzeigen — und warum sie sich widersprechen

Portfolio-Tracker unterscheiden sich darin, welche der beiden Kennzahlen sie standardmäßig anzeigen. Manche rechnen zeitgewichtet, manche geldgewichtet, manche zeigen beide — und häufig steht nicht dabei, welche Methode gerade auf dem Bildschirm ist. Genau daraus entsteht die anfängliche Verwirrung: Zwei Werkzeuge liefern für dasselbe Depot zwei „Renditen“, ohne dass eines von beiden falsch rechnet. Der praktische Umgang damit ist unspektakulär: Prüfe, welche Methode ein Werkzeug verwendet, bevor du eine Zahl deutest — und im Idealfall schau dir beide an. Erst zusammen erzählen sie die ganze Geschichte: die TWROR, wie die Anlage war; die IRR, was daraus für dich wurde.

Wie Acutic beide Fragen trennt

Für den Vergleich mit einer Benchmark ist die zeitgewichtete Sicht die faire Grundlage — genau diese fensterbasierte, von einzelnen Einzahlungen unabhängige Logik nutzt auch Acutics Performance-Seite, wenn sie aggregierte Ergebnisse des Scoring-Modells über feste 1-, 3- und 5-Jahres-Fenster ausweist: Solche Fenster-Renditen kennen keine individuellen Ein- und Auszahlungen und sind damit von jedem persönlichen Timing frei. Das eigene, per CSV importierte Depot wertet Acutics Depot-Analyse aus — ohne Kontoverknüpfung, aus einer Datei. Der Punkt ist in beiden Fällen derselbe wie in diesem Beitrag: erst zu wissen, welche Frage eine Renditezahl beantwortet, macht sie brauchbar.

Ein verwandter Timing-Effekt taucht übrigens auch in der Besteuerung auf: Wie stark der Zeitpunkt von Zahlungen die tatsächlich getragene Last verschiebt, rechnet der Beitrag Thesaurierend vs. ausschüttend an einem zweiten Rechenbeispiel durch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen TWROR und IRR?

Die TWROR (zeitgewichtete Rendite) neutralisiert Ein- und Auszahlungen: Sie verkettet die Renditen der Teilperioden zwischen den Zahlungen und misst damit den reinen Kursverlauf der Strategie. Die IRR (interner Zinsfuß, geldgewichtet) berücksichtigt, wann wie viel Geld im Depot lag, und misst damit die persönliche Rendite inklusive Einzahlungs-Timing.

Warum zeigen zwei Tracker unterschiedliche Renditen fürs selbe Depot?

Weil sie unterschiedliche Kennzahlen verwenden: der eine die zeitgewichtete Rendite (TWROR), der andere den internen Zinsfuß (IRR). Beide können korrekt sein — sie beantworten verschiedene Fragen. Viele Werkzeuge benennen die verwendete Methode nicht, weshalb der Unterschied zunächst wie ein Rechenfehler wirkt.

Welche Rendite ist für den Benchmark-Vergleich richtig?

Für den Vergleich mit einem Index oder einer anderen Strategie die zeitgewichtete Rendite (TWROR), weil sie die Einzahlungszeitpunkte herausrechnet und so einen Vergleich auf gleicher Grundlage erlaubt. Für die eigene Vermögensentwicklung ist der interne Zinsfuß (IRR) die ehrlichere Zahl. Keine der beiden ist „besser“ — sie messen Verschiedenes.

Was ist der interne Zinsfuß (IRR)?

Der Zinssatz r, bei dem der Barwert aller Zahlungen null ergibt — Einzahlungen zählen negativ, der heutige Depotwert als positive Schlusszahlung: Σ CFₜ ÷ (1+r)^t = 0. Er gewichtet jeden Euro nach der Zeit, die er tatsächlich im Depot gearbeitet hat.

Weiterführend zur Renditemessung: der Benchmark-Leitfaden (englisch), der Vergleich Depot gegen MSCI World und — zum verwandten Timing-Effekt bei der Steuer — Thesaurierend vs. ausschüttend. Kostenloses Konto erstellen.

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