Vergleich
Parqet, getquin & Co. im Vergleich
Tracking, Analyse und Community sind drei verschiedene Produkte. Import-Wege, Renditearten, Steuer-Sicht, Preise und Datenmodell — nachprüfbar und datiert.
Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2026 · Von The Acutic Research Team
„Portfolio-Tracker“ ist ein Kategoriename, unter dem drei ziemlich verschiedene Produkte liegen. Das eine führt Bestände zusammen und rechnet Rendite. Das zweite prüft Einzelwerte fundamental. Das dritte ist ein soziales Netzwerk mit Depot-Anbindung. Wer Parqet und getquin nebeneinanderlegt, vergleicht deshalb nicht zwei Varianten derselben Sache, sondern zwei unterschiedliche Schwerpunkte — und merkt das meist erst, wenn das gewählte Werkzeug eine Frage nicht beantwortet, für die es nie gebaut war.
Dieser Beitrag sortiert die Kategorie und stellt die nachprüfbaren Merkmale nebeneinander. Alle Angaben stammen aus den Hilfe- und Preisseiten der Anbieter selbst, abgerufen am 22. Juli 2026 — keine Affiliate-Seiten, keine Blog-Zusammenfassungen. Wo sich etwas nicht aus einer Primärquelle belegen ließ, steht das ausdrücklich dabei, statt eine plausible Zahl zu erfinden. Eine Rangfolge gibt es hier nicht: welche Zeile wichtig ist, entscheidet der Anwendungsfall, nicht der Artikel.
Parqet: Datei-Import in die Breite, Anbindung in die Tiefe
Parqet trennt zwei Import-Wege sauber. Die automatische Anbindung — bei Parqet Autosync — ist bewusst schmal: laut FAQ-Artikel zu den Autosync-Brokern sind genau fünf Häuser angebunden: Trade Republic, Scalable Capital, ING, comdirect und Consorsbank. Der Datei-Import dagegen ist breit — die Übersicht zum PDF- und CSV-Import listet rund 52 Broker und Werkzeuge, von Baader Bank über DKB, flatex und Interactive Brokers bis zu Trading 212 und Volksbank, dazu ein generisches „CSV im flexiblen Format“. Bemerkenswert: Portfolio Performance steht selbst mit auf dieser Liste.
Das Verbindungsmodell ist auf der Datenschutzseite ungewöhnlich konkret beschrieben. Die Daten liegen nach eigener Angabe vollständig in Deutschland. Beim lokalen Autosync in der Mobil-App werden die Zugangsdaten „ausschließlich lokal auf dem Endgerät des Nutzers verarbeitet und dabei zu keinem Zeitpunkt an Parqet übermittelt“. Beim Cloud-Autosync läuft die Anbindung über den als BaFin-lizenziert bezeichneten Dienstleister QPLIX; Parqet erlangt „zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von diesen Zugangsdaten“. Aus PDF-Abrechnungen wird nur der Transaktionskern gelesen — Typ, Datum, Broker, ISIN, Anteile, Kurs, Steuern, Gebühren, Währung.
Beim Datenmodell rechnet Parqet beide Renditearten und erklärt den Unterschied selbst: die kapitalgewichtete „Rendite“ gegenüber der zeitgewichteten TTWROR, der es „egal“ ist, wann wie viel Geld nachfließt. Der interne Zinsfuß (IZF, englisch IRR) wird berechnet, „sobald 90 Tage Historie im Portfolio vorliegen“. Die Kostenbasis ist wählbar zwischen FIFO und Durchschnittswertverfahren. Neben Wertpapieren führt Parqet Krypto, Edelmetalle, Immobilien, sonstige Vermögenswerte sowie ein Verrechnungskonto, das Geldbewegungen spiegelt: wird eine Position im Wert von 10.000 Euro aufgebaut, sinkt das Verrechnungskonto entsprechend.
Die Preisstufen heißen Basis, Plus und Investor — nicht „Premium“. Laut Preisseite kostet Basis 0 € pro Monat (1 Portfolio, 1 Watchlist, 2 Integrationen), Plus 11,99 € pro Monat (5 Portfolios, volle Analyse-Features, X-Ray, Dividenden-Prognose, Performance-Vergleich, Steuer-Dashboard), Investor 29,99 € pro Monat (15 Portfolios, 20 Integrationen, Priority Support). Bei jährlicher Zahlung nennt die Seite „3 Monate gratis“ für Plus und „1 Monat gratis“ für Investor — einen Jahresbetrag in Euro druckt sie nicht, weshalb hier auch keiner steht. Ob die Preise Mehrwertsteuer enthalten, ist auf der Seite nicht vermerkt.
Zwei Eigenheiten fallen auf. Erstens meint „Integrationen“ in den Stufenlimits nicht Broker, sondern den Marktplatz für Dritt-Integrationen mit rund 29 Einträgen — darunter Rebalancing-Werkzeuge, ein Vorabpauschale-Rechner, ein CLI und Anbindungen an Sprachmodelle; dazu gibt es eine öffentliche Entwicklerplattform. Zweitens ist das Steuer-Dashboard der Bezahlstufen eine Ansicht: es zeigt gezahlte Steuern nach Jahr und Transaktionsart sowie Quellensteuern nach Land und deckt die Vorabpauschale ab. Einen fertigen Export für die Steuererklärung konnten wir nicht belegen — und behaupten ihn deshalb nicht.
Zur Community-Frage: Parqet betreibt ein Forum und einen News-Feed, und in der FAQ steht ein Artikel zur „Sichtbarkeit des Portfolios“. Ob daraus öffentlich einsehbare Depots mit Folgen- und Kommentarfunktion werden, ließ sich aus den Primärquellen nicht klären. Wir führen Parqet in der Matrix deshalb als „teilweise“ und nicht als soziales Netzwerk.
getquin: Anbindung in die Breite, Feed als Kern
getquin geht den umgekehrten Weg. Die Import-Dokumentation nennt sechs Wege: Open Banking nach PSD2, direkte Broker-APIs, CSV, PDF, manuelle Erfassung und einen KI-gestützten Dokumenten-Import. Die Broker-Liste ist international sortiert — rund 35 Häuser über Deutschland (unter anderem Trade Republic, Scalable Capital, flatex, ING, comdirect, Commerzbank, onvista, Consorsbank, Smartbroker, Deutsche Bank, 1822direkt, S-Broker, finanzen.net Zero), die USA (Robinhood, Fidelity, E-Trade, Chase, Tastytrade, TD Ameritrade), Österreich und weitere Märkte (Swissquote, Revolut, Trading 212, Interactive Brokers, DEGIRO, Wealthsimple). Sparpläne und Verbindlichkeiten wie Kredite werden mitgeführt.
Das Sicherheitsmodell beschreibt getquin in der Hilfe zu Datenschutz und Sicherheit: PSD2-Standards, umgesetzt „through regulated third-party service providers“, Zugriff ausschließlich lesend, Daten verschlüsselt auf Servern in Europa. Anders als Parqet nennt getquin den Dienstleister nicht beim Namen — wer wissen möchte, wem er beim Kontozugriff genau vertraut, findet die Antwort in dieser Quelle nicht.
Auch getquin rechnet beide Renditearten und erklärt in einem eigenen Artikel den Unterschied zwischen IRR und TTWROR; der IRR ist als Premium-Merkmal gelistet. Der Benchmark-Vergleich ist ausdrücklich Premium-Nutzern vorbehalten, erlaubt den Vergleich gegen Aktien, ETFs und Indizes — und gegen die Depots anderer Nutzer. Methodisch ist die Seite präzise: der Vergleich verwendet immer die zeitgewichtete Rendite des eigenen Depots. Die Dividenden-Werkzeuge sind ausgebaut, von Yield on Cost über Dividendenkalender und Wachstumsprognose bis zu Anleihe-Kupons.
Bei der Steuer-Sicht ist getquin selbst am transparentesten über die Grenzen. Laut Hilfeartikel zu automatischen Steuern werden Dividendensteuern automatisch berücksichtigt und der Sparerpauschbetrag lässt sich je Portfolio hinterlegen. Dokumentierte Einschränkungen: unterschiedliche Freibeträge je Jahr sind nicht abbildbar, Quellensteuern müssen manuell ergänzt werden, und Steuerregeln lassen sich nicht je Wertpapier variieren. Deshalb steht getquin in dieser Zeile auf „teilweise“.
Der eigentliche Schwerpunkt ist der soziale Teil. Eine ganze Hilfe-Sammlung heißt „Social Network for Investors“ und dokumentiert Beiträge, Cashtags, Hashtags, das Folgen anderer Anleger sowie eine Option, den Feed abzuschalten. Die Sichtbarkeitseinstellungen kennen drei Stufen — öffentlich, nur Follower, privat. Wichtig für die Datenschutz-Frage: öffentlich sichtbar sind relative Verteilungen und relative Wertentwicklungen, keine absoluten Beträge; absolute Werte werden erst über einen selbst erzeugten Dashboard-Link geteilt.
Die Preisstufen heißen Free, Premium und Wealth und werden auf der Preisseite ausschließlich als Jahrespreise ausgewiesen: 0 € pro Jahr, 89,99 € pro Jahr und 149,99 € pro Jahr. Ein Monatspreis wird dort nicht genannt, weshalb hier keiner steht. Die Seite vermerkt ausdrücklich, dass alle Preise ohne länderspezifische Steuern und Gebühren verstanden werden — der umgekehrte Hinweis zu Parqet, das dazu schweigt. Die Homepage nennt über 500.000 Nutzer und mehr als 20 Milliarden Euro erfasstes Vermögen; das ist eine Selbstauskunft des Anbieters und als solche zu lesen.
Portfolio Performance: der freie Gegenpol
In jedem ernsthaften Vergleich fehlt sonst ein Pol: Portfolio Performance ist quelloffen unter der Eclipse Public License v1.0, kostenlos, läuft lokal auf Windows, macOS und Linux und legt alles in einer offenen XML-Datei ab — es gibt keine Cloud und damit auch keine Kontoanbindung. Beide Renditearten sind eingebaut. Der PDF-Import deckt nach Angabe des Handbuchs mehr als 90 Banken und Broker über institutsspezifische Parser ab; dazu kommen CSV-Import und ein eigener Weg für Interactive-Brokers-Flex-Queries. Der Preis dafür steht im Handbuch selbst: die Dokumentation ist unvollständig („there are still many blank pages in this handbook“), und die Einrichtung ist Handarbeit.
Feature-Matrix, Stand 22. Juli 2026
Gefüllter Punkt = vorhanden · offener Punkt = teilweise oder an eine Bezahlstufe gebunden · Gedankenstrich = nicht vorhanden. Nur Merkmale, die an den Hilfe- und Preisseiten der Anbieter nachlesbar waren.
| Kriterium | Parqet | getquin | Acutic* |
|---|---|---|---|
| Automatische Broker-Anbindung | — | ||
| CSV-Datei-Import | |||
| PDF-Import von Broker-Abrechnungen | — | ||
| Zeit- und geldgewichtete Rendite (TTWROR / IZF) | — | ||
| Benchmark-Vergleich gegen Indizes | — | ||
| Deutsche Steuer-Sicht im Produkt | — | ||
| Social Feed / öffentlich sichtbare Depots | — | ||
| ETF-Durchsicht auf Einzelwerte | — | ||
| Fundamentale Einzelwert-Analyse mit Belegen | — | ||
| Entscheidungs-Journal mit terminierter Auswertung | — | — |
Die Lücke: was keines dieser Werkzeuge tut
Legt man die Matrix nebeneinander, fällt eine Symmetrie auf. Parqet, getquin und Portfolio Performance beantworten mit unterschiedlicher Tiefe dieselbe Grundfrage: Was besitze ich, was hat es gebracht, was schulde ich dem Finanzamt? Das sind Fragen über das Depot als Ganzes, rückwärts gerichtet, in Zahlen beantwortbar.
Zwei andere Fragen bleiben in dieser Kategorie weitgehend offen. Die erste ist die nach dem einzelnen Unternehmen: Was steht im Geschäftsbericht, wie belastbar ist die Marge, welche Belege stützen die These — Arbeit an Primärquellen, die kein Renditediagramm ersetzt. Die zweite ist die nach dem eigenen Verfahren: Warum habe ich vor zwei Jahren so entschieden, was hätte mich widerlegt, und ist das eingetreten? Kein Tracker in dieser Übersicht führt ein datiertes Entscheidungs-Journal mit terminierter Wiedervorlage. Die letzten beiden Zeilen der Matrix markieren genau diese Lücke.
Wo Acutic sich einordnet — offengelegt
Transparenz zuerst: Acutic ist unser eigenes Produkt, und dieser Abschnitt ist deshalb keine unabhängige Einschätzung, sondern eine Beschreibung. Sachlich gehört Acutic nicht in die Tracking-Spalte, sondern in die Analyse-Spalte des ersten Schaubilds. Es ist ein Multi-Agenten-Research-Workspace: fünf Analyst-Agenten prüfen ein Instrument unabhängig voneinander und liefern eine Seite-für-Seite-Analyse mit Zitaten und Fußnoten, aus der eine strukturierte These entsteht. Dazu kommen Watchlist, Screener, Journal und Auswertung — das Journal hält die These datiert fest, die Auswertung ruft sie terminiert wieder auf.
Ebenso wichtig ist, was Acutic nicht tut, und in der Matrix stehen dafür fünf Gedankenstriche. Acutic verbindet sich nicht mit Brokern — es gibt keine Kontoanbindung, keine Zugangsdaten, keine PSD2-Schnittstelle, und es werden nie Aufträge erteilt. Bestände kommen per CSV herein; Importer bestehen unter anderem für Trade Republic, Interactive Brokers, Schwab, Fidelity, Vanguard, Robinhood und M1 sowie ein generischer Weg mit freier Spaltenzuordnung. Einen PDF-Import gibt es nicht. TTWROR, interner Zinsfuß und Benchmark-Vergleich gehören nicht zum Funktionsumfang, und eine deutsche Steuer-Sicht ebenso wenig — wer eine Vorabpauschale-Übersicht braucht, findet sie hier nicht. Während der privaten Beta ist Acutic kostenlos; Preise werden vor dem öffentlichen Start bekannt gegeben.
Daraus folgt keine Rangfolge, sondern eine Arbeitsteilung: Die Tracker beantworten die Depot-Fragen, ein Research-Workspace die Instrument- und Verfahrensfragen. Wie wir zu Kennzahlen und Bewertungen kommen, steht offen in der Methodik, und welche Modelle mit welchen Grenzen im Einsatz sind, in der KI-Transparenz. Weitere Gegenüberstellungen mit benachbarten Produkten sammelt der Vergleichs-Hub.
Wechseln in der Praxis: erst exportieren, dann importieren
Wer die Werkzeuge wechselt oder parallel führt, stößt auf dieselbe Reihenfolge: Der belastbare Grundstock ist die Transaktionshistorie beim Broker, nicht der Bestand im Tracker. Beide Produkte lesen CSV, beide lesen PDF-Abrechnungen, und Parqet nimmt ausdrücklich auch ein generisches CSV-Format entgegen. Praktisch heißt das: die Historie einmal sauber beim Broker ziehen und als Archiv behalten — dann ist jeder spätere Wechsel ein Import und keine Rekonstruktion.
Für die verbreiteten deutschen Broker haben wir diesen Schritt einzeln beschrieben, mit Menüpfaden und Spaltenerklärung: der CSV-Export bei Scalable Capital und der Export bei Trade Republic. Zwei Punkte sind beim Import immer heikel: die Behandlung von Gebühren und Steuern — stehen sie im Betrag oder in eigenen Spalten? — und Kapitalmaßnahmen wie Splits, die viele Exporte nur unvollständig abbilden. Beides lässt sich an einer Handvoll Zeilen gegenprüfen, bevor zehn Jahre Historie eingelesen werden.
Und weil jede dieser Oberflächen früher oder später eine Renditezahl zeigt, die von der des Brokers abweicht: das liegt fast immer an der Methode, nicht an einem Fehler. Parqet und getquin dokumentieren beide, dass zeitgewichtete und geldgewichtete Rendite verschiedene Fragen beantworten — die eine misst die Wertentwicklung unabhängig von Einzahlungen, die andere die Verzinsung des tatsächlich eingesetzten Kapitals. Wer sein Depot gegen einen Index stellt, sollte wissen, welche der beiden er gerade betrachtet; wie ein fairer Vergleich mit dem MSCI World aussieht, haben wir gesondert aufgeschrieben.
Fazit ohne Superlative
Ein Ergebnis dieses Vergleichs ist bewusst kein Ergebnis: Es steht hier nicht, welches Produkt vorne liegt, weil die Frage ohne den Anwendungsfall nicht beantwortbar ist. Was sich sagen lässt, ist enger und nützlicher. Parqet setzt den Schwerpunkt auf einen breiten Datei-Import, eine deutsche Steuer-Ansicht in den Bezahlstufen und ein ungewöhnlich detailliert beschriebenes Datenschutzmodell mit Hosting in Deutschland. getquin setzt ihn auf breite Kontoanbindung über PSD2, internationale Broker-Abdeckung und einen ausgebauten sozialen Teil mit abgestufter Sichtbarkeit. Portfolio Performance setzt ihn auf lokale Datenhaltung, offenes Dateiformat und einen sehr breiten PDF-Import, bezahlt mit Einrichtungsaufwand. Und keines der drei führt ein Entscheidungs-Journal.
Ein letzter Hinweis in eigener Sache zur Haltbarkeit: Anbieter verschieben Merkmale zwischen Stufen, Preise ändern sich, Broker-Listen wachsen. Alles oben ist auf den 22. Juli 2026 datiert und aus den Seiten der Anbieter belegt. Vor einer Entscheidung lohnt der Blick auf die verlinkten Originalseiten — auch, um zu sehen, was sich seitdem bewegt hat.
Weiterführend: der Werkzeug-Stack für selbstständige Anleger 2026 — dieselbe Landschaft, weiter gefasst — und Klumpenrisiko im Depot erkennen — eine Auswertung, die kein Tracker automatisch liefert. Kostenloses Konto erstellen.
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