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Dein Depot gegen den MSCI World: der faire Vergleich

Zeitgewichtete Rendite, ein Schatten-Depot mit denselben Zahlungsströmen — und die vier Fehler, die fast jeden Vergleich verzerren.

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2026 · Von The Acutic Research Team

„Schlage ich den Markt?“ ist die Frage, mit der die meisten Depot-Vergleiche beginnen — und die falsche erste Frage. Bevor sie sinnvoll beantwortbar ist, müssen drei technische Fragen geklärt sein: Welcher Index ist der richtige Maßstab, in welcher Variante, und mit welcher Rendite-Definition wird verglichen? Wer diese drei Punkte überspringt, vergleicht Äpfel mit Wechselkursen. Dieser Beitrag zeigt den fairen Weg: zeitgewichtete Rendite (TWROR), ein Schatten-Depot mit identischen Zahlungsströmen und eine Liste der Fehler, die in der Praxis am häufigsten vorkommen — mit einem durchgerechneten Beispiel.

Was der MSCI World eigentlich ist — Stand Juni 2026

Der MSCI World bildet große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Laut MSCI-Factsheet zum 30. Juni 2026 enthält er 1.283 Titel und deckt rund 85 % der freien Marktkapitalisierung jedes Landes ab. „Welt“ ist dabei wörtlich zu relativieren: Die USA machen 72,45 % des Index aus, Japan 5,69 %, Großbritannien 3,45 %, Kanada 3,34 %, Frankreich 2,4 %. Die zehn größten Positionen — angeführt von Nvidia mit 5,18 % — bringen zusammen 25,74 % auf die Waage. Schwellenländer fehlen komplett; dafür gibt es den MSCI ACWI, der Industrie- und Schwellenländer kombiniert. Wer sein Depot am MSCI World misst, misst es also vor allem an US-Großkonzernen — das ist kein Einwand gegen den Index, aber eine Eigenschaft, die man beim Interpretieren der Differenz kennen sollte.

Für die Wahl des Vergleichsindex gilt eine einfache Leitlinie: Der Maßstab sollte das Universum abbilden, in dem das Depot tatsächlich investiert. Ein global gestreutes Aktiendepot passt zum MSCI World oder ACWI; ein Depot mit bewusstem Schwellenländer-Anteil eher zum ACWI oder einer 70/30-Kombination. Wichtig ist nur: Der Index wird vorher festgelegt und dann nicht mehr gewechselt — ein nachträglich passend gewählter Maßstab misst nichts.

Wie groß ist der Effekt der Indexwahl in der Praxis? Meist kleiner als vermutet — und in einzelnen Jahren doch spürbar. 2025 lieferte der MSCI World in Euro gerechnet +7,21 %, der MSCI ACWI +8,33 % — gut ein Prozentpunkt Abstand, weil die Schwellenländer im selben Jahr in Euro +18,46 % zulegten (alle Werte Gross Return, MSCI-Factsheet EUR, Stand 30. Juni 2026). 2024 lag die Reihenfolge umgekehrt: World +27,15 %, ACWI +25,90 %. Wer zwischen beiden Maßstäben schwankt, entscheidet also über Zehntel- bis einzelne Prozentpunkte pro Jahr — relevant für die Interpretation, aber kein Grund, den einmal gewählten Index zu wechseln, sobald das Ergebnis nicht gefällt.

Warum Einzahlungen jeden naiven Vergleich verzerren

Ein Index hat keine Sparpläne. Sein Stand ist eine reine Preisreihe, und seine Jahresrendite ist per Konstruktion zeitgewichtet: Sie misst, was aus einem am Jahresanfang investierten Betrag geworden wäre, ohne Zu- oder Abflüsse. Ein echtes Depot dagegen bekommt laufend frisches Geld — Sparplanausführungen, Einmalzahlungen, gelegentlich Entnahmen. Jede dieser Buchungen verändert die Basis, auf der Rendite entsteht. Wer einfach „Endwert durch Anfangswert“ rechnet, zählt Einzahlungen als Kursgewinn. Wer „Gewinn durch eingezahltes Kapital“ rechnet, gewichtet späte Einzahlungen genauso stark wie frühe, obwohl sie viel kürzer im Markt waren. Beide Zahlen sind für sich genommen legitime Größen — aber keine von beiden ist mit einer Indexrendite vergleichbar.

Das Rechenbeispiel macht es konkret — alle Zahlen sind erfunden und rund gewählt: Ein Depot startet am 1. Januar mit 10.000 €. Bis zum 30. Juni wächst es auf 11.000 € (+10 %). Am 30. Juni fließen 5.000 € frisch hinein; das Depot steht bei 16.000 €. Bis zum 31. Dezember wächst es erneut um 10 % auf 17.600 €. Der Gewinn beträgt 2.600 € auf 15.000 € eingezahltes Kapital — „einfache Rendite“: +17,3 %. Die zeitgewichtete Rendite verkettet dagegen die beiden Halbjahre: 1,10 × 1,10 − 1 = +21,0 %. Der Unterschied von fast vier Prozentpunkten entsteht allein dadurch, dass die 5.000 € nur ein halbes Jahr mitlaufen konnten. Nur die 21,0 % sind mit einer Indexrendite über dasselbe Jahr vergleichbar — denn nur sie beantworten dieselbe Frage: Wie hat sich ein Euro entwickelt, der die ganze Zeit investiert war?

Dasselbe Jahr, drei Zahlen: einfache Rendite vs TWROR

GrößeWert
Depotwert 1. Januar10.000 €
Einzahlung am 30. Juni+5.000 €
Depotwert 31. Dezember17.600 €
Gewinn (17.600 − 15.000)+2.600 €
Einfache Rendite (Gewinn ÷ eingezahltes Kapital)+17,3 %
TWROR Depot (1,10 × 1,10 − 1)+21,0 %
TWROR Benchmark (1,08 × 1,06 − 1)+14,5 %
Differenz zur Benchmark+6,5 pp
Rechenbeispiel mit erfundenen, runden Zahlen: Halbjahresrenditen des Depots +10 %/+10 %, der Benchmark +8 %/+6 %. Keine echten Marktdaten.

Die zeitgewichtete Rendite (TWROR, time-weighted rate of return) ist deshalb der Standard für Vergleiche mit einer Benchmark: Sie neutralisiert das Timing der Zahlungen und misst die reine Anlageentwicklung. Die geldgewichtete Rendite (IRR) beantwortet die andere, ebenfalls wichtige Frage — wie haben sich meine Euros inklusive meines Timings entwickelt? — taugt aber nicht als Index-Vergleich, weil der Index das Timing gar nicht kennt.

Die Sparplan-Methode: derselbe Zahlungsstrom, zwei Depots

Es gibt eine zweite, sehr anschauliche Art des fairen Vergleichs: das Schatten-Depot. Man nimmt exakt die eigenen Zahlungsströme — jede Einzahlung mit ihrem Datum — und rechnet durch, was dieselben Beträge in einem MSCI-World-Indexfonds geworden wären: Jede Einzahlung erwirbt rechnerisch Indexanteile zum damaligen Stand, Entnahmen geben Anteile ab. Am Ende stehen zwei Endwerte nebeneinander, die denselben Einzahlungsverlauf hatten — der Vergleich ist damit automatisch fair, auch ohne TWROR-Formel.

Im Rechenbeispiel oben: Angenommen, die Benchmark legt im ersten Halbjahr +8 % zu, im zweiten +6 % (wieder erfundene Zahlen). Das Schatten-Depot: 10.000 € × 1,08 = 10.800 €, plus 5.000 € Einzahlung = 15.800 €, × 1,06 = 16.748 €. Das echte Depot steht bei 17.600 €. Die Differenz: +852 € — beziehungsweise, in TWROR ausgedrückt, +21,0 % gegen +14,5 %, also +6,5 Prozentpunkte. So formuliert bleibt der Vergleich eine Messung: eine Differenz mit Vorzeichen und Einheit, kein Urteil.

Depot und MSCI World, indexiert auf 100Zwei schematische Kurven über 24 Monate: das Depot in Dunkelblau, der MSCI World in Marigold, beide bei 100 startend. Vier Dreiecke markieren Einzahlungen. Die Grafik ist ausdrücklich als Schema ohne echte Renditen beschriftet.Depot und MSCI World, indexiert auf 100Schematische Darstellung — keine echten Renditen100110120130EinzahlungenMonat 0Monat 24DepotMSCI World
Beide Kurven sind erfundene Beispielpfade, indexiert auf 100. Die Dreiecke zeigen, wann frisches Geld ins Depot fließt — genau die Momente, die einen naiven Rendite-Vergleich verzerren.

Schritt für Schritt: den Vergleich selbst rechnen

  1. Daten exportieren. Grundlage ist die vollständige Transaktionshistorie mit Datum und Betrag jeder Einzahlung. Bei den meisten Brokern ist das ein CSV-Export — für Trade Republic haben wir den genauen Weg dokumentiert.
  2. Teilperioden bilden. Jede Einzahlung und Entnahme schneidet die Zeitachse. Für jede Teilperiode gilt: Rendite = Endwert ÷ (Anfangswert + Zufluss zu Periodenbeginn) − 1.
  3. Verketten. Die Teilperioden-Renditen multiplizieren: (1 + r₁) × (1 + r₂) × … − 1. Das Ergebnis ist die TWROR des Depots über den Gesamtzeitraum.
  4. Benchmark daneben legen. Für denselben Zeitraum die Rendite eines MSCI-World-Net-Total-Return-Index in Euro nehmen — oder gleich einen thesaurierenden Indexfonds als Referenzreihe, der Abbildungskosten bereits enthält.
  5. Differenz notieren. Als Zahl mit Datum und Zeitraum: „Differenz zur Benchmark über 24 Monate: +1,8 pp“ ist eine brauchbare Beobachtung. „Ich bin besser“ ist keine.

Die vier häufigsten Vergleichsfehler

1. Einzahlungen ignorieren. Der Fehler aus dem Rechenbeispiel — Endwert durch Anfangswert oder Gewinn durch Einzahlungen, verglichen mit einer zeitgewichteten Indexrendite. Je größer die Sparrate relativ zum Depotwert, desto größer die Verzerrung — in beide Richtungen.

2. Die falsche Index-Variante. Jeden MSCI-Index gibt es in drei Rendite-Varianten: Price (nur Kurse, ohne Dividenden), Gross Total Return (Dividenden voll reinvestiert) und Net Total Return (Dividenden nach Abzug von Quellensteuern reinvestiert). Die Dividendenrendite des MSCI World lag laut Factsheet zum 30. Juni 2026 bei 1,52 % — wer sein Depot inklusive Dividenden gegen einen reinen Kursindex stellt, schenkt sich also grob anderthalb Prozentpunkte pro Jahr, über zehn Jahre ein sehr großer Effekt. In Europa aufgelegte Indexfonds messen sich üblicherweise an der Net-Variante; die ist auch für den Depot-Vergleich die konsistente Wahl.

3. Die Währung vergessen. Derselbe Index, dasselbe Jahr, zwei Welten: 2025 lag der MSCI World laut MSCI-Factsheets bei +21,60 % in US-Dollar, aber nur bei +7,21 % in Euro (jeweils Gross Return; USD-Factsheet, EUR-Factsheet, Stand 30. Juni 2026). Gut 14 Prozentpunkte Unterschied — ausschließlich Wechselkurs. Ein Euro-Depot gehört gegen die Euro-Reihe des Index, sonst misst der Vergleich vor allem den Dollar.

4. Zeitraum und Stichtage verrutschen lassen. Depot per Monatsende gegen Index per Monatsmitte, oder ein „seit Auflage“-Depotwert gegen eine Fünfjahres-Indexrendite: Schon kleine Stichtags-Differenzen erzeugen Scheindifferenzen. Beide Reihen brauchen exakt denselben Start- und Endtag — und den gleichen Umgang mit Kosten: Die eigene Depotrendite ist nach Ordergebühren, ein Index ist kostenlos. Wer es sauber will, nimmt als Benchmark die Kursreihe eines realen Indexfonds inklusive dessen laufender Kosten.

Was eine Differenz bedeutet — und was nicht

Angenommen, die saubere Messung ergibt −2,3 pp über zwei Jahre. Das ist ein Messwert, kein Urteil über Können. Über kurze Zeiträume dominiert Zufall: Wenige Prozentpunkte Differenz über ein, zwei Jahre liegen locker innerhalb der Bandbreite, die unterschiedliche Branchengewichte ganz ohne besondere Entscheidungen erzeugen. Interessant wird die Differenz erst mit Kontext: Kam sie aus einer bewussten Abweichung (mehr Europa, weniger Tech) oder aus Einzeltiteln? Ging sie mit mehr oder weniger Schwankung einher als der Index? Und ist sie über mehrere Jahre stabil oder springt sie? Genau dafür lohnt es, die Differenz regelmäßig zu notieren — als Zeitreihe, nicht als Einzelurteil. Was der Vergleich nicht hergibt: eine Handlungsanweisung. Aus „−2,3 pp“ folgt keine bestimmte Transaktion — es folgt höchstens eine bessere Frage an das eigene Depot.

Den Vergleich in den Alltag holen

Nichts an dieser Rechnung erfordert Spezialsoftware — ein Tabellenblatt mit den Zahlungsströmen aus dem Broker-Export genügt. Aufwändig ist nur die Disziplin, es regelmäßig und mit denselben Regeln zu tun. Genau da setzt Werkzeug an: Acutic arbeitet mit einem CSV-Import ohne Bankverbindung und analysiert das importierte Depot als Struktur — Gewichte, Klumpen, Kennzahlen je Position. Wie Acutic die eigene Score-Methodik historisch misst und offenlegt, steht auf der Performance-Seite — dieselbe Logik, die dieser Beitrag fürs Depot beschreibt: messen, dokumentieren, Kontext dazu, kein Urteil.

Der faire Vergleich ist am Ende eine Gewohnheit: einmal sauber aufsetzen — richtiger Index, Net-Total-Return-Variante in Euro, TWROR statt Bauchgefühl — und dann in Ruhe Zeitreihen sammeln. Wer so misst, bekommt statt einer Schlagzeile über sich selbst eine Datenbasis. Die ist unspektakulärer. Und deutlich nützlicher.

Weiterführend: Trade Republic CSV Export: die Anleitung 2026 — wie die Datengrundlage für den Vergleich aus dem Broker kommt — und Portfolio-Regeln mit Bestand — was aus einer regelmäßig gemessenen Differenz werden kann: eine dokumentierte Regel. Kostenloses Konto erstellen.

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